Advent und Weihnachten im Klang des Barock
Georg Friedrich Händel
Messias, Teil 1
Georg Philipp Telemann
Machet die Tore weit
Barbara Berg-Bretschneider, Sopran
Aiko Bormann, Alt
Gerald Beatty, Tenor
Sascha Glintenkamp, Bass
neues barockorchester berlin
Hugo-Distler-Chor Berlin
Leitung: Stefan Schuck
Samstag, 12. Dezember 2026 | 19.00 Uhr
Kirche am Hohenzollernplatz (Große
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Adventliche Musik lebt neben ihrem Glanz von einer eigentümlichen Spannung: Sie blickt zugleich zurück auf die Verheißungen der Schrift, aber auch voraus auf deren Erfüllung. Händels „Messiah“ und Telemanns Kantate „Machet die Tore weit“ gestalten diese Spannung auf unterschiedliche Weise – und eröffnen dabei zwei charakteristische Perspektiven barocker geistlicher Musik auf das Kommen Christi.
Der erste Teil von Händels „Messias“ (HWV 56) folgt einer heilsgeschichtlichen Dramaturgie. Ausgehend von den prophetischen Verheißungen des Alten Testaments entfaltet er die Erwartung des Messias bis hin zur Geburt Christi. Besonders charakteristisch ist die enge Verbindung von musikalischer Rhetorik und theologischer Aussage: Trost, Verheißung, Finsternis und Licht, Erniedrigung und Erhöhung werden musikalisch rhetorisch/in der musikalischen Formensprache ausgedeutet. Dem Chor wird dabei eine besondere Aufgabe zugewiesen: Er steht sinnbildlich für die Gemeinschaft der Gläubigen und läßt die universale Perspektive der Heilsgeschichte hörbar werden.
Telemanns Kantate „Machet die Tore weit“ setzt dem eine stärker zugespitzte Adventsperspektive entgegen. Das Bild der sich öffnenden (Stadt-)Tore – ursprünglich auf den Einzug eines weltlichen Herrschers bezogen – wird im christlichen Kontext zur Verheißung der Ankunft Christi. Theologisch liegt der Schwerpunkt auf dem Adventus: Gott kommt auf den Menschen zu, und der Mensch ist aufgerufen, sich diesem Kommen zu öffnen. Telemanns kompositorische Sprache zeichnet diesen Vorgang mit großer rhetorischer Prägnanz nach. Wortwiederholungen, kontrastierende Affekte und die farbige Behandlung des Instrumentalapparats lassen den Text nicht bloß erklingen, sondern interpretieren ihn musikalisch.
Beide Werke verbindet damit eine zentrale barocke Vorstellung: Musik vermag geistliche Wahrheit nicht allein zu verkünden, sondern affektiv und emotional erfahrbar zu machen.
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